Jeden Tag ein bißchen näher: Eine ungewöhnliche Geschichte

Jeden Tag ein bißchen näher: Eine ungewöhnliche Geschichte
Taschenbuch
btb Verlag
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ISBN: 344272712X
Anzahl der Seiten: 352
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Empfindsam, bruchstückhaft
Es ist ein besonderes Buch, es gibt einem Einblick in eine Therapie, bei der der Therapeut sich auf eine Weise selbst enthüllt und seine Sichtweise und Gefühle zu seiner Patientin in Berichten offen legt. Die Patientin ihrerseits macht das Gleiche und beide tauschen halbjährlich diese Berichte aus. Es ist spannend zu sehen, wie sehr doch ein und dieselbe Stunde unterschiedlich aufgenommen wird. Mir hat während dem Lesen der rote Faden gefehlt, das Prinzip, nach dem Dr. Yalom seine Therapie gestaltet. Auf den letzten Seiten wird dem entgegen gekommen: Dr. Yaloms systematische Vorgehensweise und das Krankheitsbild von Ginny werden genau vorgestellt. Es ist für mich das zweite Buch, das ich von Irvin D. Yalom lese (nach Die Schopenhauer - Kur) und ich bin froh, das ich nicht mit diesem Buch angefangen habe. Es ist ein Stück zu wenig aufgebauscht, ein bißchen zu wenig spannend, aber es hinterlässt das Gefühl ein wirklich besonderes Buch gelesen zu haben - und zwei Menschen kennen gelernt und ihrer Beziehung zueinander jeden Tag ein bißchen näher gekommen zu sein.


gemischte Gefühle
Dieses Buch hat bei mir sehr gemischte Gefühle ausgelöst. Erstens halte ich es für ethisch und moralisch (selbst mit Zustimmung des Patienten)bedenklich, eine Therapie öffentlich zu machen. Zweitens glaube ich, dass diese Art von Büchern, die ja oft gerade von Personen gelesen werden, die eine Therapie machen oder machen wollen, verunsichert. Ich finde auch die Art des Therapeuten mit Klienten umzugehen mehr als fraglich. Z.B. aggressives Verhalten, oder die Aussage, eine Patientin wäre sexuell reizvoll - ein absoluter Verstoss gegen Therapieregeln. Da wird mir viel zu salopp mit sehr ernsten Themen umgegangen, keine genaue Diagnose gestellt etc - deshalb nur ein Stern.


ein Knick in Yaloms Leistungskurve
Wenn man wie ich ein begeisterter Yalom - Fan ist, ist dieses Buch doch eher enttäuschend. Ich weiß nicht, ob es an der Übersetzung liegt oder den doch eher mäßigen literarischen Fähigkeiten seiner Patientin "Ginny", doch stilistisch reicht dieses Buch bei weitem nicht an "Die rote Couch", "Und Nietzsche weinte" oder "Die Schopenhauer - Kur" heran, die allesamt wärmstens zu empfehlen sind. Es fehlt mir dieses Gefühl, unbedingt weiterlesen zu wollen, um zu wissen, wie es den Hauptakteuren weiter ergeht. Wo Yalom seine Figuren sonst immer so plastisch beschreibt, dass man beim Lesen den Eindruck gewinnt, man kenne sie alle höchstpersönlich, fehlt mir bei Ginny jeder Zugang, und manches passt einfach nicht zusammen. Schade! Gute Idee trotz alledem!


Für Therapieunerfahrene nur mäßig spannend
Irvin Yaloms spätere Werke faszinieren mich - ich habe darin sehr viel über Psychotherapie, die menschliche Seele und natürlich auch über mich selbst gelernt. Die belletristischen Anfänge von Yalom, gemeinsam mit seiner Patientin, fand ich wohl vor allem deshalb mäßig spannend, weil das Buch sich genau mit den Abläufen einer Therapie und allen Details des Leidens der Patientin beschäftigt. Der Rahmen für Identifikation mit der Hauptperson ist folglich gering. Für Menschen, die sich selbst in einer Therapie befinden, ist dieses Buch sicherlich sehr aufschlussreich. Enttäuschend fand ich auch die mäßige literarische Qualität der Aufzeichnungen der angeblich schriftstellerisch begabten Patientin Ginny.


Realität einer Therapie
Das Buch ist hochinteressant, vor allem für diejenigen unter uns, die selbst Erfahrungen mit Therapie haben. Es zeigt sehr ehrlich und aufschlussreich, was auf beiden Seiten (Therapeuten- und Klientenseite) im Verlauf einer Therapie passieren kann und was letztendlich Therapie bedeutet. Zudem faszinierte mich auch die sprachliche Gewandtheit der Klientin, mehr als die des Therapeuten.


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